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Die Todesstrafe

Einleitung

Todesstrafe, im Strafrecht zahlreicher Länder verankerte schwerste Kriminalstrafe, die in der Hinrichtung des Verurteilten besteht. Sie wird bei schweren Verbrechen – vor allem auch im militärischen oder politischen Bereich – verhängt. Ausgehend vom Umgang mit menschlichem Leben zur Zeit des Nationalsozialismus, in der 16 000 Menschen hingerichtet wurden, wurde die Todesstrafe in der Bundesrepublik 1949 durch Artikel 102 des Grundgesetzes abgeschafft (Österreich: 1968). In der DDR war es juristisch bis 1987 möglich, sie zu vollstrecken. Die Todesstrafe nach zivilem Recht ist in der Schweiz seit 1942 abgeschafft, im Militärstrafrecht blieb sie bis 1992 erhalten.  Die Ausübung der Todesstrafe in einigen Bundesstaten der USA (Erhängen, Erschießen, Gaskammer, Todesspritze, elektrischer Stuhl), wo sie nach ihrer Abschaffung 1972 in verschiedenen Bundesstaaten wieder eingeführt wurde, oder im Iran (Steinigen), hat, begleitet von aktuellen Tendenzen (Terrorismus, Zunahme der Gewaltkriminalität etc.), immer wieder zu öffentlichen Diskussionen über ihre Berechtigung geführt. Argumente ihrer Befürworter sind dabei zumeist Sicherungs- und Abschreckungsgedanken, während ihre Gegner gerade dies bezweifeln und moralische Bedenken (Menschenwürde, Gefahr von Fehlurteilen, Einschätzung der Verbrechenssituation etc.) geltend machen. Auch wird mit der Todesstrafe dem Verurteilten die Möglichkeit einer Resozialisierung unumstößlich genommen. Weltweit sind die UN und Amnesty International um eine Ächtung der Todesstrafe bemüht. Das sechste Zusatzabkommen der Menschenrechtskonvention vom 28. April 1983 verpflichtet die Unterzeichnerstaaten (unter ihnen die Bundesrepublik), von der Todesstrafe in Friedenszeiten abzusehen.

Geschichte

Als älteste Strafart war die Todesstrafe sowohl im germanischen wie auch im römischen Recht fest verankert. Ihr sakral-kultischer Charakter ging in fränkischer Zeit verloren. Von nun an war sie ausschließlich säkularisiertes Bestrafungsmittel. Im 12. und 13. Jahrhundert wurde sie als Sanktionsmaßnahme auf viele Verbrechensarten ausgedehnt. Dabei ging den diversen Arten ihrer – öffentlichen – Vollstreckung (Rädern, Enthaupten, Verbrennen, Ertränken, Vierteilen, Pfählen, Erdrosseln) oftmals Folter (Verstümmelung, Schleifen zum Richtplatz etc.) voraus. Im Spätmittelalter konnten selbst Kinder und Geisteskranke hingerichtet werden.

Die Reformbewegung

Nach gescheiterten Versuchen seit dem 16. Jahrhundert (etwa in der Carolina) zeigten Bemühungen zur Abschaffung der Todesstrafe erst Ende des 18. Jahrhunderts erste Erfolge. So wurde im Zuge der Aufklärung die Vollstreckungsart „humanisiert" (Rädern etwa wurde verboten). Zwischen 1787 und 1795 gar schaffte Österreich die Todesstrafe gänzlich ab (siehe Society of Friends). In Europa regte die Abhandlung Von den Verbrechen und Strafen (1764) des italienischen Juristen Cesare Beccaria Philosophen wie Voltaire oder Jeremy Bentham dazu an, sich gegen Folter, Prügel- und Todesstrafe auszusprechen. Aber erst im 19. Jahrhundert wurde sie in zahlreichen Staaten abgeschafft, Verurteilte begnadigt und die Bestrafung in Freiheitsentzug umgewandelt. Das deutsche Strafgesetzbuch von 1871 sah die Todesstrafe ausschließlich für Mörder vor.

(Microsoft Encarta 2001, aktualisiert von K. Kuhnert)


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Klaus Kuhnert
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Stand: Sonntag, 08. Januar 2006