Die Geschichte der Todesstrafe in der Schweiz

Die Todesstrafe in der Schweiz vor 1848 

Die alten Eidgenossen kannten die Todesstrafe sehr wohl. Alle Kantone ordneten gelegentlich diese härteste aller Strafarten an und führten Hinrichtungen durch. Die Kantone waren bezüglich des Strafrechtes autonom. Von besonderer Bedeutung ist, dass in der alten Eidgenossenschaft die einzelnen Stände kaum über geschriebenes Strafrecht verfügten. Oft wurde nach Landgebrauch oder nach Sitte geurteilt, was dem Ermessensspielraum der Richter eine enorme Entscheidungsbreite zuwies. In vielen Kantonen der Ostschweiz stützte man sich bei Urteilen jedoch auf die Halsgerichtsordnung Kaiser Karl V. von 1532. Sie wurde Carolina oder kaiserliches Recht genannt. Die Carolina hat nicht nur bei Tötung, Raub, Diebstahl oder auch homosexuellen Handlungen den Tod vorgesehen, sondern bei vielen Straftatbeständen eine zusätzliche Strafschärfung bestimmt. Widernatürliche Unzucht sollte etwa mit dem Feuertod, die Kindstötung durch lebendiges Begraben oder Ertränken bestraft werden.

Diese grausamen Strafen wurden aber mit der Zeit gemildert. Bestrebungen zur Abschaffung der Todesstrafen im 18.Jahrhundert sind aus der Eidgenossenschaft nicht bekannt. Allerdings hat sich Zahl der Hinrichtungen in den städtisch beherrschten Kantonen zumindest reduziert.

Während es im Kanton Zürich im 17.Jahrhundert noch 327 gegeben hatte, waren es im 18.Jahrhundert „nur“ noch 145 Exekutionen. Die Hinrichtungen wurden auch in der Eidgenossenschaft zur allgemeinen Abschreckung öffentlich vollzogen.

In vielen Kantonen kam es im Laufe des 18.Jahrhunderts immer wieder zu regelrechten Kriegen zwischen befeindeten Patrizier-Familien. Im Kanton Appenzell-Innerrhoden wurde z.B. Landammann Anton Josef Sutter am 19.März 1784 geköpft. Der Hinrichtung waren Fehden zwischen den Familien Geiger und Sutter vorausgegangen.

Durch die französische Besetzung am 1.April 1799 wurde kantonale Hoheit in Strafsachen aufgehoben und durch das peinliche Helvetische Gesetzbuch ersetzt, dass für die ganze Schweiz galt. Dieses Gesetzbuch führte mit Ausnahme der Enthauptung zur Abschaffung der grausamen Hinrichtungsmethoden. Am 25.1.1802 die Todesstrafe sogar auf Diebstahl ausgeweitet. Trotz dieser harten Strafen nahm die Kriminalität zu.

Nach 1803 kehrten alle Kantone zu ihrer alten Rechtstradition zurück. Die meisten Stände kannten noch immer kein geschriebenes Strafrecht, und die meisten sind auch erst anfangs des 19.Jahrhunderts dazu übergegangen solche zu schreiben. Viele Kantone führten die Carolina, allerdings in abgemildeter Form wieder ein.

In St.Gallen sprach das dortige Appellationsgericht zwischen 1803 und 1848 27 Todesurteile aus. 17mal waltete der Scharfrichter in der Leimat (dort, wo heute die Olma ist) seines Amtes.

Am 29.November 1843 wurde als letzter im Kanton St.Gallen der Mörder Peter Waser hingerichtet. Den Vollzug besorgte der 72 jährige Johannes Bettenmann, Scharfrichter aus Altstätten.

Die Todesstrafe in der Schweiz nach 1848

Bettenmanns Sohn Johann Baptist übernahm das Amt des Vaters und vollzog auch die letzte Hinrichtung im Appenzell-Ausserhoden. Er enthauptete am 1.Juli 1862 in Trogen den Raubmörder Johann Ulrich Schläpfer, den ich später noch genauer beschreiben werde. Zwar wurden noch viele Todesurteile ausgesprochen, aber die Delinquenten wurden jedesmal begnadigt.

Immer mehr kamen Stimmen auf, die die völlige Abschaffung der Todesstrafe in der ganzen Schweiz forderten.

1874 kam es zur heute noch massgeblichen Totalrevision der Bundesverfassung. Als diese in Kraft trat, wurden in der Schweiz seit sechs Jahren keine Hinrichtung mehr durchgeführt. Liberale Kantone, die die Todesstrafe bereits abgeschafft hatten, konnten einen Verfassungsartikel, der die Todesstrafe in der ganzen Schweiz verbot, durchsetzen.

In der Zeit nach der Verfassungsrevision von 1874 hatte sich die wirtschaftliche Situation der Schweiz innert kurzer Zeit enorm verschlechtert. Die darauschliessende Zunahme der Kriminalität, insbesondere einige schreckliche Mordfälle, führten nun in einigen Kantonen zu einer wahren Volksbewegung für die Wiedereinführung der Todesstrafe. In vielen Teilen der Schweiz wurden Unterschriften für die Wiedereinführung der Todesstrafe gesammelt. So erreichten diese Gruppen eine Volksabstimmung am 18.Mai 1879 über die Wiedereinführung der Todesstrafe (Revision des Artikel 65 BV). Die Revision wurde mit 200.485 Ja-Stimmen zu 181.588 Neinstimmen angenommen.

1. Luzern 1892 F. Gatti Nur sehr wenige Kantone wandten die Todesstrafe nach 1879 an, wie die Liste hier zeigt.
2. Luzern 1892 J. Keller
3. Schwyz 1894 D. Abegg
4. Freiburg 1902 E. Chatton
5. Luzern 1909 M. Muff
6. Luzern 1915 A. Wütschert
7. Uri 1924 C. Bernet
8. Zug 1939 P. Irniger
9. Obwalden 1940 H. Vollenweider

Die letzte zivile Hinrichtung in der Schweiz wurde an dem dreifachen Mörder Hans Vollenweider im Kanton Obwalden vollzogen. Er wurde am 23.6.1939 festgenommen, und nach langen Gerichtsverhandlungen wurde schliesslich sein Gnadengesuch abgelehnt. Er wurde am 18.Oktober 1940 in Sarnen, mittels der von Luzern ausgeliehenen Guillotine, hingerichtet.

Nicht einmal zwei Jahre später wurde am 1.Januar 1942 die Todesstrafe gänzlich für zivile Straftaten abgeschafft. Es sollte aber noch ganze 50 Jahre gehen bis die Todesstrafe auch im Militärstrafrecht abgeschafft wurde und somit hoffentlich für immer aus der Schweizer Geschichte verschwinden wird.

Copyright © by Chris Zuest 1999

Bücher zur Todesstrafe


Die Geschichte der Todesstrafe in Nordamerika.

Von der Kolonialzeit bis zur Gegenwart.

Jürgen Martschukat, Dr. phil. habil. Die USA sind die einzige westliche Demokratie, die bis heute an der Todesstrafe festhält. Von der Kolonialzeit bis zur Gegenwart zeigt dieses Buch, daß die verordnete Tötung von Menschen nicht nur ein Instrument des Strafrechts ist, sondern zugleich ein Ausdruck der amerikanischen Gesellschaftsordnung und ihrer Weltbilder. So ist es beispielsweise alles andere als ein Zufall, daß weit überproportional afroamerikanische Männer aus sozial benachteiligten Milieus zum Tode verurteilt werden. Auch die Praxis der Todesstrafe – etwa die Abschaffung der öffentlichen Hinrichtung oder die Einführung des elektrischen Stuhls – spiegelt ebenso wie ihre Darstellung in den Medien und der Literatur allgemeine Entwicklungen in den USA. Jürgen Martschukats Buch ist eine kenntnisreiche und kritische Einführung in eines der brisantesten Themen der amerikanischen Gesellschaft.


Dead Man Walking, Sein letzter Gang.

Preis: Derzeit nicht verfügbar

Helen Prejean Dieses Buch erzählt eine wahre Begebenheit. Schwester Helen Prejean, die als Sozialarbeiterin in den Schwarzenghettos von New Orleans arbeitet, hat einen Ruf als vehemente Fürsprecherin sozialer Randgruppen. Diesem Ruf verdankt sie auch den Brief eines zum Tode Verurteilten, der sich von ihr Unterstützung bei seinem Gnadengesuch verspricht. Seit sechs Jahren sitzt Patrick Sonnier bereits wegen Mordes in Haft. Seine Hinrichtung steht unmittelbar bevor. Sister Helen Prejean besucht ihn im Gefängnis, und sie erlebt diese fremde Welt aus Teilnahmslosigkeit, Verzweiflung, Wut und Angst als tiefen Schock. Trotz ihres Mitgefühls für den verbitterten jungen Mann, der seine Schuld ihr gegenüber beharrlich abstreitet, ist sie jedoch nicht so naiv, ihm bedingungslos zu vertrauen. Und sie besucht auch die Hinterbliebenen der getöteten Opfer. Die Eltern des Jungen, der erschossen wurde. Die Eltern des Mädchens, das vor ihrem Tod mehrfach brutal vergewaltigt wurde. Verzweifelte Menschen, die Sister Prejeans Engagement für den Täter nicht begreifen können. Aber wie jedem Menschen, der ihren Beistand braucht, steht sie auch ihm zur Seite. Selbst dann noch, als er ihr schließlich seine Schuld gesteht.

Das Nachwort von Ute Thiemann bietet dem Leser Einblicke in das amerikanische Justizsystem, um die Realität jenseits der von Film und Fernsehen bekannten Klischees verständlich zu machen.


Jürgen Bartsch

Selbstbildnis eines Kindermörders

Paul Moor. Im Juni 1966 berichteten alle deutschen Zeitungen auf Seite eins über die Verhaftung eines 19jährigen Metzgergesellen namens Jürgen Bartsch, der zwischen 1962 und 1966 auf unvorstellbar grausame Weise vier Schuljungen missbraucht und zu Tode gequält hatte. Paul Moor nimmt als Korrespondent und Berichterstatter an dem Prozess in Wuppertal teil und beginnt infolge dessen eine Korrespondenz mit dem Angeklagten. Und Jürgen Bartsch fasst Vertrauen. Er antwortet und schreibt sich alles von der Seele, was ihn zum Opfer und zum Täter gemacht hat. In über 8 Jahren, bis kurz vor Bartschs Tod, sammelt Paul Moor Hunderte von Briefen – das erschütternde Selbstbildnis eines vierfachen Kindermörders, wie es die Literatur bislang nicht kannte. Mittlerweile existieren drei Bühnenfassungen dieses verstörenden „document humain“, die erfolgreich gespielt werden.


Der Unfassbare

 Das mörderische Leben des Werner Ferrari

Peter Holenstein. „Am Tatort bei Fabienne, einem unschuldigen und lieben Kind (…), als ich neben ihm auf dem Boden sass, mein Gesicht vor Schmerz fast verzerrt – da war mir, als begrabe man die Welt, in der ich bisher gelebt hatte. Ich sass da, neben diesem Kind, leer, ausgestossen und verdammt, weiter zu leben, weil ich nicht den Mut besass, auch meinem Leben ein Ende zu setzen.“ Werner Ferrari 1995 wegen fünffachen Kindermordes rechtskräftig zu lebenslanger Zuchthausstrafe verurteilt „… und nicht selten geht mir dabei jene Frage durch den Kopf, die mir im Verlauf der vergangenen Jahre so oft gestellt worden ist: Wie bringst du es nur fertig, jemandem deine Hand zu geben, der mit seinen eigenen Händen unschuldige Kinder umgebracht hat? Die Antwort: Weil es das einzige ist, was man ihm noch anbieten kann.“ Peter Holenstein, Autor Zwischen 1980 und 1989 erschütterte eine Mordserie die Schweiz. Acht Kinder wurden auf brutale Weise umgebracht, drei weitere mutmassliche Opfer gelten bis heute als vermisst. Unfassbares Leid kam über elf Familien, unfassbar schien auch der Täter – fast zehn Jahre lief die Polizeifahndung ins Leere. 1971 hatte Werner Ferrari ein Kind umgebracht, wurde jedoch acht Jahre später vorzeitig aus dem Zuchthaus entlassen. Kurz nach seiner Entlassung begann die unheimliche Mordserie, die mit seiner Verhaftung Ende August 1989 abrupt endete. Der Prozess von 1994 platzte mit einem Eklat: Ferrari widerrief seine Geständnisse. In einem reinen Indizienprozess wurde er 1995 des fünffachen Mordes für schuldig gesprochen und zu lebenslangem Zuchthaus verurteilt.
Weshalb bringt ein Mensch Kinder um, von denen er sagt, dass er sie liebe? Was veranlasste Ferrari zu den Taten? Weshalb konnten sie ihm nicht bewiesen werden? Hat er Morde gestanden, die er nicht begangen hat? Bereits zwei Jahre nach dem ersten Kindermord wurde die Polizei auf Werner Ferrari hingewiesen – weshalb dauerte es weitere sieben Jahre, bis er gefasst wurde?
Über Jahre rollt Peter Holenstein das Leben des Verurteilten, die elf Verbrechen und die jahrelange Polizeifahndung auf. Im Einverständnis mit dem Verurteilten erhält er für die Arbeit am vorliegenden Buch uneingeschränkte Einsicht in die Gerichts- und Polizeiakten, die psychiatrischen Gutachten und Ferraris private Aufzeichnungen. Er erfährt von unbekannten Umständen jener Tat, die am Anfang der Serie steht: dem Mord an der 12jährigen Ruth S. Der Autor bringt neue Indizien bei, darunter die DNA-Analyse eines Schamhaars des Täters, das auf der Leiche des Opfers sichergestellt wurde und nicht von Ferrari stammt. Die neuen Indizien deuten darauf hin, dass sich dieser Mord nicht so zugetragen haben kann, wie dies von Polizei, Staatsanwaltschaft und Gericht angenommen wurde …
Die Bestandsaufnahme eines realen Alptraums.


Engel der Todeskandidaten

Sister Helen berichtet von ihrem Kampf gegen die Todesstrafe und ihre Freundschaft mit den Todeskandidaten. Der Bestseller der Nonne ist die Vorlage zu dem Film „Dead Man Walking“. P. Mario Conte, Direktor der englischen Ausgabe des Sendboten sprach mit der Nonne.

Helen Prejean

Sister Prejean, Ihr Name wird oft mit dem Kampf gegen die Todesstrafe in Verbindung gebracht. Gibt es, Ihrer Meinung nach, eine Chance, dass sie in den Vereinigten Staaten abgeschafft wird?

Ja, sie wird möglicherweise in den USA abgeschafft werden, schon allein deswegen, weil sie sich selbst überholt hat. Die Todesstrafe ist fest etabliert: 38 Staaten wenden sie an, der Kongress hat ein Gesetz verabschiedet, das ihre Anwendung auf 50 Straftaten ausdehnt. Politiker befürworten sie. Die Menschen aber beginnen, sich zu fragen: „Was nützt uns die Todesstrafe?“ Kriminelle lassen sich nicht von der Todesstrafe abschrecken. Zudem tendiert die öffentliche Meinung auf internationaler Ebene dazu, sie abzuschaffen. Und weil wir heute Teil einer globalen Gemeinschaft sind, in der die Nationen nicht länger isoliert nebeneinander existieren, glaube ich, dass die USA sich auf dem internationalen Parkett zunehmend unwohl fühlen. Wir haben von Gandhi und Martin Luther King gelernt, dass durch gewaltfreie soziale Umwälzungen der Unterdrücker mit der Zeit erkennt, dass es ganz einfach zu kostspielig ist, auf Dauer seine Position zu halten. Ich denke, dass ein Teil dieser Kosten für die USA ist, dass sie zum einen das Image eines Vollstreckers haben, zum anderen aber für sich beanspruchen, die beste Demokratie der Welt zu haben.

„Wenn es unrecht ist zu töten, ist es auch unrecht für einen Staat, einen verurteilten Mörder hinzurichten“, so kürzlich ein amerikanischer Bischof bei der Washingtoner Konferenz. Glauben Sie, dass die katholische Kirche zu diesem Thema deutlich genug Stellung bezieht?

Nun, die katholische Kirche hat große Fortschritte gemacht. Das wachsende Engagement für die Menschenrechte, hat sich auch auf das Bewusstsein der Kirche ausgewirkt. Das Thema Todesstrafe hat in der Kirche überraschend an Gewicht gewonnen. 1992 sagte der Katechismus, dass „in besonders schweren Fällen die Todesstrafe erlaubt werden kann“. 1997 hat die lateinische Ausgabe des Katechismus diese Zeilen gestrichen und stattdessen geschrieben, dass, wenn es eine Alternative gibt, eine Lösung gefunden werden muss, die sich eher mit dem Gemeinwohl und der Menschenwürde vereinbaren ließe. Im Endeffekt sagt die Kirche damit, dass die Todesstrafe nicht durchzuführen ist, weil in jeder Gesellschaft Gefängnisse vorhanden sind, und damit ein Alternative geboten ist.

Dieses Argument war auch Gegenstand eines Dialogs mit der Kirche wegen des Falles von Joseph O’Dell. Ich brachte dem Papst eine Brief, den er auch gelesen hat.

In diesem Brief teilte ich all meine Erfahrungen mit der Todesstrafe mit, hautnah erlebte Erfahrungen, die sich in die Seele einbrennen. Die Todesstrafe ist immer eine Art Folter, weil die Menschen gedanklich ihren Tod durchexerzieren. Ich legte dem Papst dar, dass die Passage des alten Katechismus „in besonders schweren Fällen“ von einigen katholischen Distrikt-Bevollmächtigten missbraucht worden waren. Ich war so glücklich, als ich die lateinische Version in Händen hielt und sah, dass dieser ambivalente Satz gestrichen worden war.

Was könnte man einem zum Tode Verurteilten kurz vor der Hinrichtung sagen?

Wichtig sind nicht die Worte, die man spricht, sondern, dass man einfach da ist. Es ist so, als ob wir durch unser Dasein füreinander, unsere Liebe und Sorge für den anderen sagen würden: „Du bist ein wertvoller Mensch.“ Ich habe vier Menschen in den Stunden vor ihrer Hinrichtung begleitet.

Eine Hinrichtung ist eine schreckliche Sache. Wenn wir uns das Kreuz anschauen, halten wir uns nicht länger mit dem Gedanken daran auf. Glänzendes Gold und Juwelen schmücken das Kreuz und in den Darstellungen der Todesangst Christi im Garten Gethsemane stehen ihm immer Engel bei. Dem Verurteilten wird von den anderen immer wieder signalisiert, dass er menschlicher Abschaum ist, der zu nichts gut ist. Die Gegenwart eines anderen Menschen in dieser Situation vermittelt ihm „Du bist ein Sohn Gottes, und er liebt Dich.“

Der Film „Dead Man Walking“ basiert auf Ihrem Buch. Sie haben eng mit den Produzenten zusammen gearbeitet. Glauben Sie, dieser Film hat den Anstoß zu einer öffentlichen Diskussion über die Abschaffung der Todesstrafe gegeben?

Glaubt man den Meinungsumfragen, so sind 75 Prozent der Amerikaner für die Todesstrafe. Der Film ‘Dead Man Walking’ hat sie zum Nachdenken gebracht. In Boston und New York warteten die Menschen, obwohl es schneite, in langen Schlangen, um diesen Film zu sehen. Warum haben so viele Menschen diesen Film gesehen? Der Grund ist, dass viele unter der Oberfläche der Zustimmung die Todesstrafe sehr ambivalent sehen. Der Film hat ihnen die Möglichkeit gegeben, über diese extreme Strafe nachzudenken, nicht nur an der Oberfläche zu bleiben. Ich denke, dass durch diesen Film anders über das Thema nachgedacht wird. Gibt es einen kulturellen Hintergrund für die Todesstrafe in Amerika?

Ja, es gibt Gründe, die von der Kultur her zu erklären sind. Wenn Sie auf die Geschichte unseres Landes blicken, erkennen Sie, dass sie auf der Unterdrückung und Sklaverei schwarzer Menschen gegründet ist. Die Todessstrafe ist eindeutig rassistisch motiviert, vor allem wenn wir die Opfer betrachten. Mehr als 85 Prozent von 3200 Gefangenen, sind zum Tode verurteilt worden, weil sie Weiße getötet haben. Wenn du einen Schwarzen oder eine Obdachlosen tötest, wer macht da viel Aufheben? (Mario Conte)


Helen Prejean lebt und arbeitet seit ihrer Geburt in Baton Rouge, Louisiana. Sie wuchs in den 40er und 50er Jahren in einer liebevollen und behüteten Umgebung auf. Nachdem sie sich den Schwestern des hl. Josef angeschlossen hatte, so Schwester Helen, habe Sie noch viele Jahre gebraucht, um zu realisieren, dass soziale Gerechtigkeit und Engagement für die Armen Grundlagen des Evangeliums seien. 1981 begannen die St- Josefs-Schwestern, unter den Ärmsten der Armen zu leben. Sie betreuten das St. Thomas Wohnprojekt in New Orleans. Schwester Helen wurde dort gefragt, ob sie nicht einem Gefangenen in Lousianas Todesabteilung – hier sind die meisten Todeskandidaten der amerikanischen Gefängnisse untergebracht – Briefe schreiben könnte.

So begann die geistige Wallfahrt, die Helen Prejean von einer bescheidenen Frau zu einer Persönlichkeit mit enormer moralischer Autorität werden ließ, die lauteste Stimme gegen die Todesstrafe in Amerika.

Sister Helen hat ihre Erfahrungen, die sie als Betreuerin und Brieffreundin von Gefangenen der Todesabteilung machte, in ihrem Buch „Dead Man Walking“ festgehalten. Sie sind ein Aufschrei gegen die Todesstrafe, der die Einstellung von mehreren hunderttausend Lesern verändert hat. Das Buch wurde 1994 für den Pulitzer Preis vorgeschlagen und stand viele Wochen lang auf der Bestseller-Liste der New York Times. Millionen haben auch den Film „Dead Man Walking“ gesehen, der auf dem Buch basiert. Die Hauptdarstellerin Susan Sarandon wurde mit dem Academy Award für ihre schauspielerischen Leistungen als Sister Helen ausgezeichnet. Wahrscheinlich hat aber die Person Sister Helen den nachhaltigsten Eindruck hinterlassen, als eine bodenständige Frau, die ihr Herz sprechen lässt.


Artikel erschienen in SENDBOTE DES HL. ANTONIUS Februar 1998

Verschiedene Arten der Todesstrafe

Friedlosigkeit

Bei dieser ersten Art der Todesstrafe wurde der Verurteilte aus der Gemeinschaft vertrieben und für vogelfrei erklärt. Auf den ersten Blick erscheint diese Strafe nicht so hart, und ist auch keine direkte Todesstrafe. Man muss sich aber vor Augen halten, dass der Mensch außerhalb der Gemeinschaft kaum überlebensfähig war. Man trieb ihn in die Wildnis und beraubte ihn aller Mittel die zum Überleben nötig waren. Durch die Vogelfreiheit wurden alle Bänder der Verwandtschaft, der Freundschaft oder Stammesmitgliedschaft durchtrennt. Der Friedlose wurde zum Nicht-Mensch,
zum Tier erklärt. Die Gemeinschaft schob so die verabscheute Pflicht zum Töten des Schuldigen auf irgendeinen Zufallshenker, der dann die Pflicht hatte dieses „Tier“, wo immer er es antraf, zu töten. Frauen konnten übrigens nicht als Friedlos erklärt werden.

Felssturz

Diese Hinrichtungsform aus alter Zeit war vor allem in den gebirgigen Mittelmeerländern verbreitet. In Griechenland, Rom und in Spanien galt sie sogar lange Zeit als hauptsächlichste Todesstrafe. Aber auch an der bretonischen Küste, in England, Island und auf den Färöer-Inseln übte man den Felssturz aus.

Der Verurteilte wurde von einer hohen, steilen Felsklippe, bisweilen auch von einem Turm oder der Stadtmauer in den Abgrund gestossen, oft auch ins Meer gestürzt.

Es wird nun nicht mehr die ganze Gemeinschaft aufgerufen, die Todesstrafe zu vollstrecken. Zum ersten Mal in der Geschichte der Todesstrafe tritt der Henker auf, als von der Gemeinschaft bestellter und beauftragter Vollstrecker. Die Gemeinschaft befreit sich damit von aller Blutschuld und “ wäscht ihre Hände in Unschuld“. Der Henker wird wie ein Aussätziger behandelt und man sagt ihm magische Kräfte zu.

Kreuzigung

Diese Art der Todesstrafe wird als besonders schändlich beschrieben, da der Hingerichtete nach seinem Verscheiden nicht vom Kreuz genommen wurde. Ein ehrendes Begräbnis wurde ihm verweigert. Sein Leichnam musste am Kreuz hängenbleiben, bis er sich von selbst auflöste und Vögel, Wind und Wetter ihr Zerstörungswerk getan hatten. Ein Gekreuzigter wurde daher ständig bewacht, damit ihn seine Freunde oder Verwandten nicht vorzeitig vom Kreuz nahmen und beerdigten. Auch bei dieser Art der Hinrichtung war es verboten Frauen zu kreuzigen. Die Kreuzigung als Hinrichtungsart wurde um das Jahr 320 nach Christus vom römischen Kaiser Konstantin abgeschafft.

Hängen

Diese uralte Hinrichtungsform war ebenfalls nur Männern vorbehalten und wurde vor allem im Mittelalter als Strafe für Diebstahl bekannt. Um das Jahr 1200 nach Christus wurde das Hängen in vielen Teilen Europas zum Hauptstrafinstrument. Auch die Einschränkung, wonach nur Männer gehängt werden durften, fiel mit der Zeit ebenfalls. Doch blieb die Zahl der Frauen, die gehängt wurden, doch immer entscheidend niedriger als die Zahl der am Galgen endenden Männer.

Ein wahres Monstrum an Galgen und wohl die umfangreichste Hinrichtungsstätte des Spätmittelalters war der Pariser Hauptgalgen. Er erhob sich auf dem Montfaucon, und bestand aus sechzehn Säulen, die ein zweistöckiges Hochgericht bildeten. Seine Höhe betrug etwa fünfzehn Meter. Im fünfzehnten Jahrhundert sollen oft einige Dutzend Leichen gleichzeitig an den Balken gehangen haben, im Wind schaukelnd, von Krähenschwärmen umflattert und weithin Verwesungsgestank verbreitend.

Wie auch im Wilden Westen, als die Verurteilten einfach am nächsten Baum „aufgeknüpft“ wurden, änderte sich mit der Zeit die Art des Hängens. So wurde anfangs des 20. Jahrhunderts folgende Methode eingeführt: Der Henker errechnete anhand einer Tabelle und dem Alter, Körperbau und Gewicht des Verurteilten die benötigte Seillänge. Nach dieser Henker-Tabelle muss ein 81 Kilogramm schwerer Delinquent
2,55 Meter tief fallen, um das Ziel des sofortigen Genickbruchs und der Bewusstlosigkeit zu erreichen. Für je drei Kilogramm weniger an Körpergewicht wird der Strang um fünf Zentimeter verlängert. Trotz dieser Tabelle liess es sich nicht vermeiden, dass hin und wieder „peinliche“ Unfälle passierten. Wenn das Seil zu kurz errechnet wurde, erlebte der Verurteilte einem qualvollen Erstickungstod der sich bis zu 15 Minuten erstrecken konnte. Falls wiederum das Seil zu lang war, wurde dem Delinquenten der ganze Kopf abgerissen. Durch solche Unfälle wurde die Vollstreckung solcher Urteile weg von der Öffentlichkeit, hinter die dicken Gefängnismauern verlegt. In Staaten die das Erhängen als Todesstrafe vorsehen, entwickelten gewisse zum Tode Verurteilten gewaltigen Appetit, so dass ihr Hals zu „fett“ wurde, und ihr Urteil
in eine lebenslange Haft umgewandelt wurde.

Das Hängen wird auch heute noch in vielen Ländern vollzogen. Vor allem zahlreiche afrikanische Staaten verzichten auch heute noch auf den sogenannten „Long Drop“, den langen Fall, und schliessen das qualvolle Ersticken in die Todesstrafe ein. Wer Bestechungsgeld zahlen kann, dem hängt sich ein „gnädiger“ Soldat an die Füsse, um das Leiden zu verkürzen. Wer viel zahlen kann, dem wird unmittelbar vor der Strangulation ein schnellwirkendes Gift unauffällig in den Mund gesteckt.

Enthaupten

Bis in das Mittelalter und darüber hinaus wurden die zum Tode Verurteilten von einem Henker mit dem Schwert oder dem Beil enthauptet. Da das Schwert aber eine leichte Waffe ist, sind in der Praxis mehrere Schläge notwendig, um die Wirbelsäule zu durchtrennen und somit eine Bewusstlosigkeit einsetzt. Die Dauer der Hinrichtung hängt einzig von der Kraft und Präzision des Henkers ab.

Mit der Einführung der Guillotine am 25.April 1792 auf dem Place de Grêve in Paris wurde die Kraft und Präzision einer Maschine übergeben. Die Konstruktion stammte von dem Pariser Arzt Dr. Louis. Der Name Guillotine stammt von dem Arzt Dr. Guillotin der an der Nazionalversammlung eine „humanere“ Todesstrafe und die Einführung des Fallbeils forderte. Das trotz dieser „humanitären“ Forderung der Name des Dr. Guillotin ausgerechnet mit diesem Hinrichtungsgerät verknüpft wurde, gehört zur Ironie der Geschichte, die leider selten nach Gerechtigkeit fragt. Die Mechanik der Guillotine war einfach. Der Verurteilte wurde stehend an eine bewegliche Plattform geschnallt. Dann kippte man die Plattform mitsamt dem Delinquenten parallel zum Boden, sein Gesicht zum Boden gerichtet. Sein Hals wurde zwischen zwei Brettern fixiert. Die Schneide der Guillotine ruhte in einem etwa 40 Kilogramm schweren Metallgewicht, das mit einem Seil nach oben gezogen wurde. Durch Drücken der Sperrklinke durch den Henker wurde die Schneide ausgeklinkt und machte sich auf den Weg nach unten.

Die Hinrichtungen waren schnell vollzogen. Die industrielle Revolution in Sachen Enthaupten ermöglichte es ab diesem Zeitpunkt, Menschen fliessbandmässig zu exekutieren. Ihre Blütezeit hatte die Guillotine allerdings in der Zeit von 1793 bis 1794 in Paris erlebt. Allein dort wurden fast 15.000 Menschen öffentlich hingerichtet. Ein Bericht von Dr. Beaurieux aus dem Jahr 1905, warf ein anderes Licht auf diese „humane“ Art der Hinrichtung. Als Zeuge einer Exekution berichtet er das der Kopf unmittelbar nach dem Vollstecken am Boden, auf dem Hals liegen blieb. Augenlieder und Lippen des guillotinierten Mannes bewegten sich in unregelmässigen, rhythmischen Zuckungen
fünf oder sechs Sekunden lang. Dann hörten die krampfhaften Zuckungen auf. Das Gesicht entspannte sich, die Augenlider schlossen sich. Da rief Dr.Beaurieux laut den Namen des Delinquenten, und sah wie sich seine Augen langsam öffneten. Anschliessend
fixierten ihn die Augen sehr bestimmt und verengten sich. Nach einigen Sekunden schlossen sich die Lider wieder. Er wiederholte den Zuruf, und erneut öffneten sich die Augen. Der Geköpfte, lebte also noch. Erst beim dritten Zuruf erfolgte keine Reaktion mehr. Der Arzt hielt in seinem Bericht fest, dass der gesamte Vorgang ungefähr 30 Sekunden gedauert hatte.

Trotz solcher grauenhaften Berichten wurde die Guillotine keineswegs abgeschafft. Im Gegenteil: unter der Nazi-Herrschaft erlebte die Guillotine in Deutschland ihre zweite Blütezeit. Zwischen 10.000 bis 15.000 Mal fiel das Fallbeil im Zeitraum von 1939 bis 1945. In Europa fand die letzte Hinrichtung mit der Guillotine 1977 in Frankreich statt. Das mechanische Fallbeil hatte damit im Namen der Gerechtigkeit fast 200 Jahre seinen Dienst getan. Zahllose Schwerter tun es in Katar und Saudi-Arabien noch heute. So wurden in Saudi-Arabien 1997 über 100 Menschen öffentlich mit dem Schwert enthauptet.

Erschiessen

Diese allgemein verbreitete und oft angewendete Hinrichtungsart stammt ursprünglich aus dem Bereich der Militärgerichtsbarkeit. Sie war für verurteilte Soldaten, Spione, Aufrührer, Deserteure und ähnliche Rechtsbrecher vorgesehen. Im Allgemeinen galt der Tod durch Erschiessen als ehrenvoller Tod. In den Staaten, die die Hinrichtung durch Erschiessen vorsehen, haben sich zwei Vollzugsformen etabliert.

Neben der Tötung durch Einzelschützen gibt es noch Erschiessungskommandos. Diese bestehen heute aus zehn bis zwölf Schützen, die eine gemeinsame Salve feuern, und einem oberen Vollzugsbeamten, meistens einem Offizier, der die Hinrichtung koordiniert. Der Delinquent wird vor einer als Kugelfang dienenden Mauer an einen Pfosten festgebunden. Dann wird ihm mit einem schwarzen Tuch die Sicht verdeckt. Auf den Befehl des Offiziers: „Achtung … Fertig … Legt an … Feuer“ haben alle Angehörigen des Erschiessungskommandos ihr Gewehr abzufeuern. Dabei sollten alle auf das Herz des Delinquenten zielen. Nur sind nicht alle Soldaten Meisterschützen, und so wird häufig aus Absicht oder aus Aufregung in den Hals oder den Bauch geschossen. Meist wird der Verurteilte mit der ersten Salve „nur“ schwer verletzt. Einige afrikanische Länder bauen diese „Missgeschicke“ planmässig in ihre Erschiessungen mit ein – die sogenannte schrittweise Erschiessung. Dabei werden auf die Opfer von den Fussgelenken an aufwärts, mit Unterbrechungen, Schüsse abgefeuert. Um Schuldgefühle unter dem Erschiessungskommando zu vermeiden, wird ein Gewehr zuvor mit Platzpatronen geladen, die anderen mit Dienstmunition.

Eine weitere Form der Erschiessung ist der Genickschuss, wie er in den ehemaligen Ostblockländen verbreitet ist.

Allein in China kamen auf diese oder ähnliche Weise 1996 mindestens 3.500 Menschen ums Leben. Allerdings aus Verbrechen wie: Mord, Vergewaltigung, Raub, Korruption, Bestechung, Schmuggel, Drogenhandel, Entführung und Handel mit Frauen und Kindern und Herstellung oder Vorführung pornographischen Materials.

Der Elektrische Stuhl

Auf der Suche nach einer Tötungsart, die keine sichtbaren Verletzungen hinterlässt und wieder einmal humaner sein sollte, wurden die Amerikaner mit dem elektrischen Strom fündig. Eingeführt wurde der „Chair“ am 4. Juli 1888 durch den New Yorker Gouverneur David B. Hill. Zehn Jahre nach Erfindung der Glühbirne durch Edison wurde dann am 6. August 1889 in New Yorker Auburn State Prison vor 25 Zeugen die erste Elektrokution an dem Mörder William Kemmler vollzogen. Die Vollstrecker waren Elektriker. Trotz der ersten Euphorie setzte sich die Elekrokution nur in wenigen Bundesstaaten durch. Und dies hat seinen Grund: Es ist zwar ein Einfaches, einen Menschen mit Strom zu töten, doch die Schwierigkeit entsteht durch das Gebot, dass Zeugen die Hinrichtung mit ansehen müssen. Würde man einem zu Tötenden 8000 Volt bei 100 Ampère anlegen, wäre er in Sekundenbruchteilen tot. Allerdings ginge der Delinquent bei dieser Stromstärke augenblicklich in Flammen auf, so dass nur etwas Verkohltes zurückbleiben würde. Für den Staat unzumutbar.

Nach dem Bericht des Erfinders Fred Leuchter oder auch Dr.Death, wie ihn die Amerikaner spöttisch nennen, liegt die korrekte Stromstärke bei 2640
Volt und 5 Ampère. Dabei werden meist mehr als zwei Stromstösse benötigt, um den Delinquenten zu töten. Zeugen berichten hierbei mehr von einer Folterung als von einer Todesstrafe. Auch hier gibt es zwei Hauptstromschalter, für jeden Vollstrecker einen. Die Maschine wählt nach dem Zufallsprinzip einen Schalter aus, der die Tötung auslöst. Die Elektrokution hat sich in Europa nie durchgesetzt.

Tod durch Injektion

Die Suche der Amerikaner nach der perfekten Hinrichtungsart ging weiter. 1977 übernahm Oklahoma als erster Staat die Todesspritze als Exekutionsinstrument. Der erste Mensch, der auf diese Weise hingerichtet wurde, war Charles Brooks. Sein Todesurteil wurde am 7. Dezember 1982 im Huntsville Prison, Texas, vollstreckt. Manuell, wie es in vielen US-Bundesstaaten noch heute üblich ist. Dabei spritzen zwei Hinrichtungstechniker unabhängig voneinander eine Flüssigkeit in einen Schlauch, der mit der Vene des Delinquenten verbunden ist. Die eine Substanz ist harmlos, die andere ist tödlich. Keiner der beiden weiss, wer die tödliche Injektion gesetzt hat.

Der Protest der Ärzteschaft auf diese neue Hinrichtungsart war gewaltig. Sie bezogen sich hierbei auf den Hippokratischen Eid, der den Arzt verpflichtet, das Leben aller Menschen zu bewahren. Nicht alle Ärzte fühlten sich dem Hippokratischen Eid verpflichtet. Dr. Eisele, ein „Pionier“ in Sachen Todesspritze, tötete im KZ-Lager Buchenwald Tausende im Auftrag Nazi-Deutschlands.

Trotz dieser Erfahrungen und medizinischer Bedenken führten die Vereinigten Staaten die tödliche Injektion ein. England hatte sich zur Einführung der Giftspritze nicht durchringen können, da auch hier wieder Berichte über „Peinliche Pannen“ erschienen. Nicht selten kommt es vor, dass die Hinrichtungstechniker die Venen nicht finden und das Gift in die Arterie oder in das Muskelgewebe dringt, was sehr schmerzhaft ist. Auch können die Lösungen verdicken, wenn die Mengen falsch berechnet werden. Der Katheder verstopft, der Delinquent erlebt einen langsamen und qualvollen Tod. So zog sich der Sterbevorgang von Stephen McCoy am 24.Mai 1989 wegen einer fehlerhaften Medikamentenmischung fast eine halbe Stunde hin. Bis zu seinem Ende hatte er nicht aufgehört, zu husten und zu würgen.

Auch hier machte es sich Fred Leuchter zur Aufgabe dieses Verfahren zu perfektionieren, zu „humanisieren“. Am 6.Januar 1989 wurde dann George Mercer, als erster Mensch von Leuchters vollautomatischen Injektionsmaschine hingerichtet. Kostenpunkt für Dr.Death´s Maschine: 30.000 Dollar. Auch hier gibt es wieder zwei Vollstecker. An einer Computerkonsole gibt es zwei Startknöpfe, die die Beamten
gleichzeitig drücken. Der Computer wählt einen Knopf aus, der die Tötung auslöst und löscht das Ergebnis sofort. So können die beiden Vollstrecker nach Feierabend mit reinem Gewissen nach Hause gehen.

Ich muss hier erwähnen, dass ich Themen wie Inquisition, Hexenverbrennungen und Judenverfolgung ausgelassen habe, da sie den Rahmen dieser Arbeit sprengen würden.

Der Mensch hat noch viele andere Arten erfunden, Mitmenschen auf qualvolle und grauenhafte Art zu töten. So wird der menschliche Erfindungsgeist auch in Zukunft neue Möglichkeiten finden, Mitmenschen noch effizienter und schneller ins Reich der Toten zu befördern.


Copyright © by Chris Zuest 1999

Quiz

Quiz zur Todesstrafe

Bitte entscheiden Sie bei jeder der zehn nachstehenden Aussagen zur Todesstrafe in den USA, ob die Aussage richtig oder falsch ist.

(Mit freundlicher Genehmigung von DPIC)

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