Bücher zur Todesstrafe


Die Geschichte der Todesstrafe in Nordamerika.

Von der Kolonialzeit bis zur Gegenwart.

Jürgen Martschukat, Dr. phil. habil. Die USA sind die einzige westliche Demokratie, die bis heute an der Todesstrafe festhält. Von der Kolonialzeit bis zur Gegenwart zeigt dieses Buch, daß die verordnete Tötung von Menschen nicht nur ein Instrument des Strafrechts ist, sondern zugleich ein Ausdruck der amerikanischen Gesellschaftsordnung und ihrer Weltbilder. So ist es beispielsweise alles andere als ein Zufall, daß weit überproportional afroamerikanische Männer aus sozial benachteiligten Milieus zum Tode verurteilt werden. Auch die Praxis der Todesstrafe – etwa die Abschaffung der öffentlichen Hinrichtung oder die Einführung des elektrischen Stuhls – spiegelt ebenso wie ihre Darstellung in den Medien und der Literatur allgemeine Entwicklungen in den USA. Jürgen Martschukats Buch ist eine kenntnisreiche und kritische Einführung in eines der brisantesten Themen der amerikanischen Gesellschaft.


Dead Man Walking, Sein letzter Gang.

Preis: Derzeit nicht verfügbar

Helen Prejean Dieses Buch erzählt eine wahre Begebenheit. Schwester Helen Prejean, die als Sozialarbeiterin in den Schwarzenghettos von New Orleans arbeitet, hat einen Ruf als vehemente Fürsprecherin sozialer Randgruppen. Diesem Ruf verdankt sie auch den Brief eines zum Tode Verurteilten, der sich von ihr Unterstützung bei seinem Gnadengesuch verspricht. Seit sechs Jahren sitzt Patrick Sonnier bereits wegen Mordes in Haft. Seine Hinrichtung steht unmittelbar bevor. Sister Helen Prejean besucht ihn im Gefängnis, und sie erlebt diese fremde Welt aus Teilnahmslosigkeit, Verzweiflung, Wut und Angst als tiefen Schock. Trotz ihres Mitgefühls für den verbitterten jungen Mann, der seine Schuld ihr gegenüber beharrlich abstreitet, ist sie jedoch nicht so naiv, ihm bedingungslos zu vertrauen. Und sie besucht auch die Hinterbliebenen der getöteten Opfer. Die Eltern des Jungen, der erschossen wurde. Die Eltern des Mädchens, das vor ihrem Tod mehrfach brutal vergewaltigt wurde. Verzweifelte Menschen, die Sister Prejeans Engagement für den Täter nicht begreifen können. Aber wie jedem Menschen, der ihren Beistand braucht, steht sie auch ihm zur Seite. Selbst dann noch, als er ihr schließlich seine Schuld gesteht.

Das Nachwort von Ute Thiemann bietet dem Leser Einblicke in das amerikanische Justizsystem, um die Realität jenseits der von Film und Fernsehen bekannten Klischees verständlich zu machen.


Jürgen Bartsch

Selbstbildnis eines Kindermörders

Paul Moor. Im Juni 1966 berichteten alle deutschen Zeitungen auf Seite eins über die Verhaftung eines 19jährigen Metzgergesellen namens Jürgen Bartsch, der zwischen 1962 und 1966 auf unvorstellbar grausame Weise vier Schuljungen missbraucht und zu Tode gequält hatte. Paul Moor nimmt als Korrespondent und Berichterstatter an dem Prozess in Wuppertal teil und beginnt infolge dessen eine Korrespondenz mit dem Angeklagten. Und Jürgen Bartsch fasst Vertrauen. Er antwortet und schreibt sich alles von der Seele, was ihn zum Opfer und zum Täter gemacht hat. In über 8 Jahren, bis kurz vor Bartschs Tod, sammelt Paul Moor Hunderte von Briefen – das erschütternde Selbstbildnis eines vierfachen Kindermörders, wie es die Literatur bislang nicht kannte. Mittlerweile existieren drei Bühnenfassungen dieses verstörenden „document humain“, die erfolgreich gespielt werden.


Der Unfassbare

 Das mörderische Leben des Werner Ferrari

Peter Holenstein. „Am Tatort bei Fabienne, einem unschuldigen und lieben Kind (…), als ich neben ihm auf dem Boden sass, mein Gesicht vor Schmerz fast verzerrt – da war mir, als begrabe man die Welt, in der ich bisher gelebt hatte. Ich sass da, neben diesem Kind, leer, ausgestossen und verdammt, weiter zu leben, weil ich nicht den Mut besass, auch meinem Leben ein Ende zu setzen.“ Werner Ferrari 1995 wegen fünffachen Kindermordes rechtskräftig zu lebenslanger Zuchthausstrafe verurteilt „… und nicht selten geht mir dabei jene Frage durch den Kopf, die mir im Verlauf der vergangenen Jahre so oft gestellt worden ist: Wie bringst du es nur fertig, jemandem deine Hand zu geben, der mit seinen eigenen Händen unschuldige Kinder umgebracht hat? Die Antwort: Weil es das einzige ist, was man ihm noch anbieten kann.“ Peter Holenstein, Autor Zwischen 1980 und 1989 erschütterte eine Mordserie die Schweiz. Acht Kinder wurden auf brutale Weise umgebracht, drei weitere mutmassliche Opfer gelten bis heute als vermisst. Unfassbares Leid kam über elf Familien, unfassbar schien auch der Täter – fast zehn Jahre lief die Polizeifahndung ins Leere. 1971 hatte Werner Ferrari ein Kind umgebracht, wurde jedoch acht Jahre später vorzeitig aus dem Zuchthaus entlassen. Kurz nach seiner Entlassung begann die unheimliche Mordserie, die mit seiner Verhaftung Ende August 1989 abrupt endete. Der Prozess von 1994 platzte mit einem Eklat: Ferrari widerrief seine Geständnisse. In einem reinen Indizienprozess wurde er 1995 des fünffachen Mordes für schuldig gesprochen und zu lebenslangem Zuchthaus verurteilt.
Weshalb bringt ein Mensch Kinder um, von denen er sagt, dass er sie liebe? Was veranlasste Ferrari zu den Taten? Weshalb konnten sie ihm nicht bewiesen werden? Hat er Morde gestanden, die er nicht begangen hat? Bereits zwei Jahre nach dem ersten Kindermord wurde die Polizei auf Werner Ferrari hingewiesen – weshalb dauerte es weitere sieben Jahre, bis er gefasst wurde?
Über Jahre rollt Peter Holenstein das Leben des Verurteilten, die elf Verbrechen und die jahrelange Polizeifahndung auf. Im Einverständnis mit dem Verurteilten erhält er für die Arbeit am vorliegenden Buch uneingeschränkte Einsicht in die Gerichts- und Polizeiakten, die psychiatrischen Gutachten und Ferraris private Aufzeichnungen. Er erfährt von unbekannten Umständen jener Tat, die am Anfang der Serie steht: dem Mord an der 12jährigen Ruth S. Der Autor bringt neue Indizien bei, darunter die DNA-Analyse eines Schamhaars des Täters, das auf der Leiche des Opfers sichergestellt wurde und nicht von Ferrari stammt. Die neuen Indizien deuten darauf hin, dass sich dieser Mord nicht so zugetragen haben kann, wie dies von Polizei, Staatsanwaltschaft und Gericht angenommen wurde …
Die Bestandsaufnahme eines realen Alptraums.


Engel der Todeskandidaten

Sister Helen berichtet von ihrem Kampf gegen die Todesstrafe und ihre Freundschaft mit den Todeskandidaten. Der Bestseller der Nonne ist die Vorlage zu dem Film „Dead Man Walking“. P. Mario Conte, Direktor der englischen Ausgabe des Sendboten sprach mit der Nonne.

Helen Prejean

Sister Prejean, Ihr Name wird oft mit dem Kampf gegen die Todesstrafe in Verbindung gebracht. Gibt es, Ihrer Meinung nach, eine Chance, dass sie in den Vereinigten Staaten abgeschafft wird?

Ja, sie wird möglicherweise in den USA abgeschafft werden, schon allein deswegen, weil sie sich selbst überholt hat. Die Todesstrafe ist fest etabliert: 38 Staaten wenden sie an, der Kongress hat ein Gesetz verabschiedet, das ihre Anwendung auf 50 Straftaten ausdehnt. Politiker befürworten sie. Die Menschen aber beginnen, sich zu fragen: „Was nützt uns die Todesstrafe?“ Kriminelle lassen sich nicht von der Todesstrafe abschrecken. Zudem tendiert die öffentliche Meinung auf internationaler Ebene dazu, sie abzuschaffen. Und weil wir heute Teil einer globalen Gemeinschaft sind, in der die Nationen nicht länger isoliert nebeneinander existieren, glaube ich, dass die USA sich auf dem internationalen Parkett zunehmend unwohl fühlen. Wir haben von Gandhi und Martin Luther King gelernt, dass durch gewaltfreie soziale Umwälzungen der Unterdrücker mit der Zeit erkennt, dass es ganz einfach zu kostspielig ist, auf Dauer seine Position zu halten. Ich denke, dass ein Teil dieser Kosten für die USA ist, dass sie zum einen das Image eines Vollstreckers haben, zum anderen aber für sich beanspruchen, die beste Demokratie der Welt zu haben.

„Wenn es unrecht ist zu töten, ist es auch unrecht für einen Staat, einen verurteilten Mörder hinzurichten“, so kürzlich ein amerikanischer Bischof bei der Washingtoner Konferenz. Glauben Sie, dass die katholische Kirche zu diesem Thema deutlich genug Stellung bezieht?

Nun, die katholische Kirche hat große Fortschritte gemacht. Das wachsende Engagement für die Menschenrechte, hat sich auch auf das Bewusstsein der Kirche ausgewirkt. Das Thema Todesstrafe hat in der Kirche überraschend an Gewicht gewonnen. 1992 sagte der Katechismus, dass „in besonders schweren Fällen die Todesstrafe erlaubt werden kann“. 1997 hat die lateinische Ausgabe des Katechismus diese Zeilen gestrichen und stattdessen geschrieben, dass, wenn es eine Alternative gibt, eine Lösung gefunden werden muss, die sich eher mit dem Gemeinwohl und der Menschenwürde vereinbaren ließe. Im Endeffekt sagt die Kirche damit, dass die Todesstrafe nicht durchzuführen ist, weil in jeder Gesellschaft Gefängnisse vorhanden sind, und damit ein Alternative geboten ist.

Dieses Argument war auch Gegenstand eines Dialogs mit der Kirche wegen des Falles von Joseph O’Dell. Ich brachte dem Papst eine Brief, den er auch gelesen hat.

In diesem Brief teilte ich all meine Erfahrungen mit der Todesstrafe mit, hautnah erlebte Erfahrungen, die sich in die Seele einbrennen. Die Todesstrafe ist immer eine Art Folter, weil die Menschen gedanklich ihren Tod durchexerzieren. Ich legte dem Papst dar, dass die Passage des alten Katechismus „in besonders schweren Fällen“ von einigen katholischen Distrikt-Bevollmächtigten missbraucht worden waren. Ich war so glücklich, als ich die lateinische Version in Händen hielt und sah, dass dieser ambivalente Satz gestrichen worden war.

Was könnte man einem zum Tode Verurteilten kurz vor der Hinrichtung sagen?

Wichtig sind nicht die Worte, die man spricht, sondern, dass man einfach da ist. Es ist so, als ob wir durch unser Dasein füreinander, unsere Liebe und Sorge für den anderen sagen würden: „Du bist ein wertvoller Mensch.“ Ich habe vier Menschen in den Stunden vor ihrer Hinrichtung begleitet.

Eine Hinrichtung ist eine schreckliche Sache. Wenn wir uns das Kreuz anschauen, halten wir uns nicht länger mit dem Gedanken daran auf. Glänzendes Gold und Juwelen schmücken das Kreuz und in den Darstellungen der Todesangst Christi im Garten Gethsemane stehen ihm immer Engel bei. Dem Verurteilten wird von den anderen immer wieder signalisiert, dass er menschlicher Abschaum ist, der zu nichts gut ist. Die Gegenwart eines anderen Menschen in dieser Situation vermittelt ihm „Du bist ein Sohn Gottes, und er liebt Dich.“

Der Film „Dead Man Walking“ basiert auf Ihrem Buch. Sie haben eng mit den Produzenten zusammen gearbeitet. Glauben Sie, dieser Film hat den Anstoß zu einer öffentlichen Diskussion über die Abschaffung der Todesstrafe gegeben?

Glaubt man den Meinungsumfragen, so sind 75 Prozent der Amerikaner für die Todesstrafe. Der Film ‘Dead Man Walking’ hat sie zum Nachdenken gebracht. In Boston und New York warteten die Menschen, obwohl es schneite, in langen Schlangen, um diesen Film zu sehen. Warum haben so viele Menschen diesen Film gesehen? Der Grund ist, dass viele unter der Oberfläche der Zustimmung die Todesstrafe sehr ambivalent sehen. Der Film hat ihnen die Möglichkeit gegeben, über diese extreme Strafe nachzudenken, nicht nur an der Oberfläche zu bleiben. Ich denke, dass durch diesen Film anders über das Thema nachgedacht wird. Gibt es einen kulturellen Hintergrund für die Todesstrafe in Amerika?

Ja, es gibt Gründe, die von der Kultur her zu erklären sind. Wenn Sie auf die Geschichte unseres Landes blicken, erkennen Sie, dass sie auf der Unterdrückung und Sklaverei schwarzer Menschen gegründet ist. Die Todessstrafe ist eindeutig rassistisch motiviert, vor allem wenn wir die Opfer betrachten. Mehr als 85 Prozent von 3200 Gefangenen, sind zum Tode verurteilt worden, weil sie Weiße getötet haben. Wenn du einen Schwarzen oder eine Obdachlosen tötest, wer macht da viel Aufheben? (Mario Conte)


Helen Prejean lebt und arbeitet seit ihrer Geburt in Baton Rouge, Louisiana. Sie wuchs in den 40er und 50er Jahren in einer liebevollen und behüteten Umgebung auf. Nachdem sie sich den Schwestern des hl. Josef angeschlossen hatte, so Schwester Helen, habe Sie noch viele Jahre gebraucht, um zu realisieren, dass soziale Gerechtigkeit und Engagement für die Armen Grundlagen des Evangeliums seien. 1981 begannen die St- Josefs-Schwestern, unter den Ärmsten der Armen zu leben. Sie betreuten das St. Thomas Wohnprojekt in New Orleans. Schwester Helen wurde dort gefragt, ob sie nicht einem Gefangenen in Lousianas Todesabteilung – hier sind die meisten Todeskandidaten der amerikanischen Gefängnisse untergebracht – Briefe schreiben könnte.

So begann die geistige Wallfahrt, die Helen Prejean von einer bescheidenen Frau zu einer Persönlichkeit mit enormer moralischer Autorität werden ließ, die lauteste Stimme gegen die Todesstrafe in Amerika.

Sister Helen hat ihre Erfahrungen, die sie als Betreuerin und Brieffreundin von Gefangenen der Todesabteilung machte, in ihrem Buch „Dead Man Walking“ festgehalten. Sie sind ein Aufschrei gegen die Todesstrafe, der die Einstellung von mehreren hunderttausend Lesern verändert hat. Das Buch wurde 1994 für den Pulitzer Preis vorgeschlagen und stand viele Wochen lang auf der Bestseller-Liste der New York Times. Millionen haben auch den Film „Dead Man Walking“ gesehen, der auf dem Buch basiert. Die Hauptdarstellerin Susan Sarandon wurde mit dem Academy Award für ihre schauspielerischen Leistungen als Sister Helen ausgezeichnet. Wahrscheinlich hat aber die Person Sister Helen den nachhaltigsten Eindruck hinterlassen, als eine bodenständige Frau, die ihr Herz sprechen lässt.


Artikel erschienen in SENDBOTE DES HL. ANTONIUS Februar 1998

Du sollst doch nicht töten

Du sollst doch nicht töten Die Bibel ist in vielen Ländern der Erde eine bedeutende Schrift. Oft wird z.B. ein Eid auf die Bibel abgelegt: „So wahr mir Gott helfe“. Doch in der Bergpredigt sagt Jesus: „Wiederum habt ihr gehört, daß zu den Alten gesagt ist: Du sollst nicht falsch schwören, du sollst aber dem Herrn deine Eide erfüllen. Ich aber sage euch: Schwört überhaupt nicht; weder bei dem Himmel, …; noch bei der Erde, …; noch bei … . Es sei aber eure Rede: Ja, ja! Nein, nein! Was aber mehr ist als dieses, ist vom Bösen.“ Diese Stelle wird von KritikerInnen des neu eingeführten „Treue-Eids“ für Ämter in der katholische Kirche angeführt, daß Jesus von den Menschen Wahrhaftigkeit zu jeder Zeit erwartet habe. Deshalb bereits sei der „Treue-Eid“ überflüssig. Und die CDU …?

Du sollst wirklich nicht töten

Im fünften Gebot ist zu lesen: „Du sollst nicht töten“. Doch in vielen Ländern wird bewußt, gezielt und organisiert getötet. Gemeint ist hier nicht allein das undemokratische Treiben mafiöser Banden. Auch mit zumindest sogenannten demokratischen Gesetzen legitimiert werden mittels staatlich organisierter Macht durch manche Staaten Menschen gezielt und gewollt vom Leben zum Tode gebracht.

Die sich selbst als die besseren Menschen betrachtenden Kreuzfahrer brachten den Menschen im Nahen Osten in früheren Zeiten das Gruseln bei. Das Mittelalter war zwar nicht finster, doch durch die Kampagnen gegen sogenannte Hexen und (seltener auch) Hexer stark getrübt. Diese blutige Machtpolitik von Kirchenoberen wurde in der jüngeren Vergangenheit durch den Papst im Rahmen einer sehr allgemeinen Entschuldigung gerügt.

Ob der Papst mit seiner Entschuldigung auch den Segen eines katholischen Priesters für die Atombomben gemeint hat, die auf Hiroshima und Nagasaki geworfen wurden, ist unbekannt. Klar ist, daß dieser Priester, Pater Zabelka, sich als Christ verstanden hat. Nun hat er die Bombe nicht selbst geworfen. Doch wer nicht den ersten Stein geworfen hat, sondern „nur“ dazu aufrief, ist dieser oder diese ohne Schuld?

Pater Zabelka hat seine Schuld erkannt und in einem eindrucksvollen Schreiben versucht, zu erklären, wie er dazu kam, den Segen für die Bombe zu sprechen. „Man hatte mir gesagt, es wäre nötig“, so beschreibt er die „Gehirnwäsche“, durch die er bereits während seiner Priesterausbildung gegangen ist. Daß die Militärseelsorge nicht unbedingt als unabhängig zu betrachten ist, ist ja auch in der heutigen BRD zu ahnen. Denn immerhin wird diese direkt aus dem Bundeshaushalt finanziert.

Pater Zabelka war Seelsorger auf der Insel Tinian, dem weltgrößten Militärflughafen während des Weltkrieges. Er berichtet von einem verzweifelten Soldaten, der zu ihm kam und beichtete. Er war dicht über dem Boden geflogen, als er in das Gesicht eines ungläubig nach oben blickenden kleinen Jungen sah. Er wußte, daß es zu spät war, denn er hatte die todbringenden Bomben bereits ausgelöst. Jedesmal, wenn ich an diese Geschichte denke, kommen mir die Tränen. Wer den Text von Pater Zabelka liest, wird verstehen, daß es ihm nicht darum geht, sich von der Schuld zu befreien. Er möchte darauf hinweisen, wie sehr wir Menschen in unseren Alltag verstrickt sind und viel zu oft Unrecht hinnehmen oder gar selbst begehen.

Der Bombenabwurf wird von einigen als notwendig angesehen, „um den Krieg schneller zum Ende zu bringen“. Doch heute ist bekannt, daß Japan faktisch den Krieg verloren hatte und außerdem bereits in fast allen Punkten im Rahmen von geheimen Verhandlungen, die über die Vermittlung der Sowjetunion mit den USA geführt wurden, einer bedingungslosen Kapitulation zugestimmt hatte.

Dennoch wurde die Bombe auf Hiroshima geworfen. Bei diesem Massaker fanden über 100.000 Menschen sofort den Tod. Dennoch wurde drei Tage später eine weitere Bombe auf Nagasaki geworfen. Die Zahl der Opfer bewegt sich in der gleichen entsetzlichen Dimension. Die leidvollen Spätfolgen reichen bis in die heutige Zeit.

Doch warum wurde die zweite Bombe innerhalb einer so kurzen Frist noch abgeworfen? Ich weiß hierauf nur eine Antwort: Diese Bombe war anderer technischer Bauart. Beide Bombenabwürfe waren ein gigantischer Waffentest. So waren Hiroshima und Nagasaki Städte, die bislang vom Krieg nicht berührt waren. Es hielten sich viele Flüchtlinge dort auf. Die Bomben wurden auf absolut wehrlose Menschen geworfen. Diese Form staatlich legitimierten Mordens kann deshalb keinesfalls damit begründet werden, die andere Seite habe ja den Krieg begonnen und man habe in Notwehr gehandelt.

Kurz nach der japanischen Kapitulation haben amerikanische Soldaten in beiden zertrümmerten Städten minutiöse Messungen vorgenommen, um das Ausmaß des angerichteten Schadens zu dokumentieren. Viele waren stolz auf den angerichteten Schaden. Der Bomberpilot Tibbit flog noch Jahrzehnte danach jährlich als „krönenden“ Abschluß von Veteranentreffen die Kurve des Bombenabwurfs von damals nach. So gerann der vielfache entsetzliche Tod zur Volksfestbelustigung. Andererseits gedenken in Oldenburg und anderen Städten in der BRD am 6.8 sowie am 9.8. der Opfer von Hiroshima und Nagasaki. (siehe unten)

Die zweite Antwort für mich ist: Vermutlich war die seitens der US- amerikanischen Hardliner am meisten beabsichtigte Wirkung die politische: Aller Welt wurde durch diese Bombenabwürfe signalisiert, daß die USA im Besitz der Superwaffe sind. So war der Welt „schlagartig! klar, daß die politische Führung der USA skrupellos genug war (und ist?!), diese auch einzusetzen.

Als Randbemerkung: Die wesentlichen Irrtümer im heutigen Strahlenschutz basieren auf diesen Untersuchungen. Denn beeindruckt von den hohen Strahlendosen wurden später viel zu hohe Grenzwerte festgelegt. Das Phänomen der Niedrigstrahlung und deren Bedeutung für Erkrankungen mit schleichendem Geschehen wurde erst später erkannt. Heute weiß mensch, daß es keine unschädliche radioaktive Strahlungsdosis gibt. Jedoch haben Menschen das Glück, nicht sofort zu erkranken.

Auch heute töten (christliche) Staaten

Seit achtzehn Jahren wird in den USA der afro-amerikanische Journalist Mumia Abu Jamal in der Todeszelle gefangen gehalten. Ihm wird vorgeworfen, er habe einen Polizisten getötet. Sollte dies der Wahrheit entsprechen, muß dies in einem demokratischen Gemeinwesen Folgen haben.

Doch darf das dazu führen, daß Christen ihre Gebote brechen und töten – aus welchem Grund auch immer? Wer weiß die Wahrheit, was damals wirklich geschah? Mumia Abu Jamal beteuert seine Unschuld. Von den Personen, die über ihn den Stab brachen, war niemand bei dem damaligen Geschehen dabei. Doch während des Prozesses gab es viele Ungereimtheiten und Widersprüche.

Nun betreibt der Anwalt von Mumia Abu Jamal die Neuaufnahme des Prozesses. Doch die Chancen hierfür stehen schlecht. Denn jüngst wurden die Rechte von US-amerikanischen BundesrichterInnen eingeschränkt. Der nun über die Neuaufnahme urteilende Richter ist nicht gezwungen, eine Neuaufnahme eines fehlerhaften Prozesses einzuleiten, in dem es im wahrsten Sinne des Wortes um Leben und Tod geht. Dies muß nur noch zwangsläufig bei ganz herausragenden prozeßualen Fehlern geschehen. Nach der Auffassung der Verteidigung gibt es diese. Docb ob sich diese Betrachtung in einem Staate durchsetzen kann, in dem Politker für die Todesstrafe stimmen, weil sie glauben, dadurch bessere Wahlchancen zu haben? Mumia Abu Jamal wäre nicht das erste Opfer eines Justizirrtums – oder wäre der Begriff Justizmord treffender?

Immerhin sind die meisten Menschen in Todeszellen der USA Schwarze. Nachgewiesen ist, das Schwarze in den USA für das gleiche Vergehen schärfer verurteilt werden als Weiße. Doch Mumia Abu Jamal hat es gewagt, als Journalist kritische Zeilen zu verfassen und die Obrigkeit zu kritisieren. Soll hier in Wirklichkeit eine kritische Stimme mundtot gemacht werden? Mumia Abu Jamal wird von amnesty international als politischer Gefangener betrachtet.

Mumia Abu Jamal betrachtet den Prozeß selbst mit der größten Besorgnis. So äußerte er die Befürchtung, daß die internationale Solidaritätsbewegung erlahmen könne aufgrund der irrigen Annahme, ihn würde schon niemand umbringen, da er so bekannt ist. Wenn er möglicherweise umgebracht werden sollte, darf ein Priester anwesend sein.

Gary Graham trennten nur Stunden von der Möglichkeit, einen Aufschub zu erfahren. Auch in seinem Verfahren hat es Verfahrensfehler gegeben. Die Beweislage war sehr unsicher. Damit er keinen Aufschub nicht mehr bekommen konnte, wurde er besonders zügig um sein Leben gebracht. In seinem Fall war lediglich eine Belastungszeugin vorhanden – dabei sagte bereits Mose, daß so etwas nicht für die Tötung eines Menschen reichen kann und darf. (Vgl. Anhang.) Um Gary Graham vor der der Ermordung durch die Staatsgewalt zu retten, hätte also das Alte Testament völlig ausgereicht.

Gerold Korbus

Quellen und Kontakte:

  • http://www.amnesty.de , http://www.mumia.de ,

  • amnesty international – Gruppe Oldenburg

  • 3. Welt-Laden Oldenburg, Auguststraße 50, Tel. 776 777

  • http://www.stachel.de – Ausgabe 2/1999. Nach der Papierversion bitte im STACHEL fragen.

  • Gedenk-Veranstaltung zu Hiroshima: Wer sich in irgendeiner Form daran beteiligen möchte, wende sich bitte an den Arbeitskreis Friedenswoche, Telefon 0441,37691 oder an die Ortsgruppe Oldenburg der Deutschen Friedensgesellschaft – Vereinigte KriegsdienstgegnerInnen – DFG-VK, Tel.; 04407,424 (Q/Fax).

Auszüge aus der Bibel:

  • 1 Mose 18.25: Fern sei es von dir, so etwas zu tun, den Gerechten mit dem Ungerechten zu töten, so daß der Ungerechte w¤re wie der Gerechte; fern sei es von dir!

  • 2 Mose 20.13: Du sollst nicht töten. –

  • 4 Mose 35.30: Für jeden, der einen Menschen erschlägt, gilt: auf die Aussage von Zeugen soll man den Mörder töten; aber ein einzelner Zeuge kann nicht gegen einen Menschen aussagen, daß er sterben muß.

  • Sprüche 19.18: Züchtige deinen Sohn, solange noch Hoffnung da ist; aber laß dich nicht dazu hinreißen, ihn zu töten!

  • Auszug aus der Bergpredigt

  • Matthäus 5.21: Ihr habt gehört, daß zu den Alten gesagt ist: Du sollst nicht töten; wer aber töten wird, der wird dem Gericht verfallen sein. …

  • Mattäus 5.38 Ihr habt gehört, daß gesagt ist: Auge um Auge und Zahn um Zahn. 39 Ich aber sage euch: Widersteht nicht dem Bösen, sondern wenn jemand dich auf deine rechte Backe schlagen wird, dem biete auch die andere dar; 40 und dem, der mit dir vor Gericht gehen und dein Unterkleid nehmen will, dem laß auch den Mantel. 41 Und wenn jemand dich zwingen wird, eine Meile zu gehen, mit dem geh zwei. 42 Gib dem, der dich bittet, und weise den nicht ab, der von dir borgen will. 43 Ihr habt gehört, daß gesagt ist: Du sollst deinen Nächsten lieben und deinen Feind hassen. 44 Ich aber sage euch: Liebt eure Feinde, und betet für die, die euch verfolgen, 45 damit ihr Söhne eures Vaters seid, der in den Himmeln ist; denn er läßt seine Sonne aufgehen über Böse und Gute und läßt regnen über Gerechte und Ungerechte. 46 Denn wenn ihr liebt, die euch lieben, welchen Lohn habt ihr? Tun nicht auch die Zöllner dasselbe? 47 Und wenn ihr allein eure Brüder grüßt, was tut ihr Besonderes? Tun nicht auch die von den Nationen dasselbe?

  • Römer 13.9: Denn das: „Du sollst nicht ehebrechen, du sollst nicht töten, du sollst nicht stehlen, du sollst nicht begehren‘, und wenn es ein anderes Gebot ÄgibtÜ, ist es in diesem Wort zusammengefaßt: „Du sollst deinen Nächsten lieben wie dich selbst‘.


Erschienen im Oldenburger STACHEL   Nr. 7/00, Seite 3

Quiz

Quiz zur Todesstrafe

Bitte entscheiden Sie bei jeder der zehn nachstehenden Aussagen zur Todesstrafe in den USA, ob die Aussage richtig oder falsch ist.

(Mit freundlicher Genehmigung von DPIC)

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